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„Unterricht zum Anfassen: Der Meeresbiologe, der Schüler für Forschung begeistert“

Der 37-jährige Meeresbiologe ist als Quereinsteiger ins Lehramt an die Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule in Kiel gekommen. Statt trockener Theorie setzt er auf Experimente und echte Wissenschaftserfahrungen – mit spürbarem Erfolg.

Dennis Brennecke steht nicht einfach vorne an der Tafel und redet. Er nimmt seine Schülerinnen und Schüler mit – raus an den Strand, ans Mikroskop und mitten hinein in die Welt der Forschung. Der Wissenschaftler ist Referendar an der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule in Kiel und zeigt, dass Unterricht kreativ, lebendig und inspirierend sein kann.

„Ich bin Wissenschaftler, Meeresbiologe – und jetzt auch Lehrer“, sagt Dennis Brennecke mit einem Lächeln. Der 37-Jährige wirkt geerdet, aber voller Energie, wenn er von seinem neuen Berufsweg erzählt. Nach Jahren in der internationalen Forschung hat er sich bewusst für einen Einstieg ins Lehramt entschieden. „In der Wissenschaft hatte ich tolle Projekte, war viel unterwegs, aber es gab immer nur befristete Verträge. Und ich hatte ja schon lange Kontakt zu Schulen. Da dachte ich irgendwann: Jetzt probierst du es selbst.“

Die Entscheidung war ein Bruch – und gleichzeitig ein nahtloser Übergang. Brennecke, der seine Doktorarbeit über den Beifang von Schweinswalen schrieb, arbeitete neben seiner Forschung bereits in der Kieler Forschungswerkstatt, einem Schülerlabor. Dort entwickelte er Lehrmaterialien für Schulen und leitete Lehrerfortbildungen. „Irgendwann wollte ich nicht nur zeigen, wie man spannende Themen in den Unterricht bringt, sondern es selbst machen“, erzählt er. Seit Anfang 2025 ist er nun an der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule. Ein halbes Jahr ist um, ein weiteres Jahr steht noch bevor.

Sein Unterricht folgt keinem festen Schema. „Es gibt bei mir nicht die Standard-Stunde„, sagt er. Zwar probiert er auch klassische Frontalphasen aus: „Einfach um zu sehen, wie es sich anfühlt“, doch am meisten Spaß macht es ihm, wenn er die Schüler experimentieren lässt. „Wir entwickeln eine Forschungsfrage, gehen raus und holen Proben, werten Daten aus, überlegen neue Fragen. Das kann in einer Stunde passieren, aber auch in einem längeren Projekt.“

Besonders gern nutzt Brennecke den Standort der Schule direkt am Meer. „Wir waren schon mehrfach am Strand, haben Plankton gesammelt und es unter dem Mikroskop untersucht. Für viele Schüler ist das ein ‘Aha-Moment’. Sie sehen das Wasser und denken: da ist nichts drin. Und plötzlich entdecken sie unter dem Mikroskop unzählige Lebewesen. Dann wird ihnen klar, wie vielfältig und wichtig das Leben im Meer ist.“

Die Begeisterung steckt an. „Ich glaube schon, dass ich einige inspiriere“, sagt er. „Es kommen immer mal wieder Schüler zu mir und sagen: ‚Ich will auch Meeresbiologe werden’,  dann versuche ich, ihnen zu zeigen, wie der Weg dahin aussehen könnte.“ Dennis Brennecke legt Wert auf Authentizität. Er will nicht der klassische Lehrer sein: „Ich versuche, das Wissen und die Erfahrungen, die ich habe, weiterzugeben. Ruhig, motivierend – und immer mit einem praktischen Bezug.“

Selbst komplexe Themen verknüpft er mit greifbaren Erlebnissen. „Photosynthese steht zum Beispiel in der neunten Klasse auf dem Lehrplan. “Wir schauen uns nicht nur Blätter an, sondern auch welche Anpassungen sie haben, um an der Wasseroberfläche genug Licht zu bekommen. Das haben die Schüler vorher noch nie gesehen.“

TEXT Anja Nacken / Markus Till
FOTO Mubarak Bacondo

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